Was gibt es schon groß zu erzählen?
Die Frage kommt ungebeten in den Kopf, wenn mich jemand bittet etwas über mich zu erzählen. Es ist fast schon einfach, über alltägliches zu sprechen, wenn es nicht die eigene Person direkt betrifft, oder?
Mir, jedenfalls, geht es so. Eine Geschichte ist leichter zu erzählen, als fragen zu beantworten, über die ich zwar nachdenke, aber nie wirklich laut ausspreche.
Wer bin ich? Was macht mich aus? Was mögen andere wohl von mir halten? Wie sehen mich andere oder nehmen sie mich überhaupt wahr? Bin ich für sie unsichtbar? Ein Gesicht von vielen? Hinterlasse ich in irgendjemandem, dem ich begegne, einen Eindruck der bleibt? Oder bin ich für die Menschen, denen ich nun bewusst oder unbewusst über den Weg laufe, nur eine Nebelschwade, die keinerlei Beachtung erhält?
Diese Fragen kamen mir gerade spontan in den Sinn. Darüber zu schreiben, wie man sich selbst sieht, empfinde ich als schwierig.
Ich nehme mich eher als einen "Beobachter" wahr, der am Spielfeld des "Lebens" steht und das Geschehen beobachtet, sich aber aktiv nicht einbringt.
Vermutlich, weil in meinem Leben viele Entscheidungen ohne mich getroffen wurden?
So zumindest kommt es mir vor, denn wenn ich versucht habe ehrlich zu äußern, was ich gerne machen wollen würde, oder wo ich mich sehe, traf ich in der Regel ausschließlich auf Ablehnung und Unverständnis.
Stattdessen, kamen "Vorschläge" für "vernünftige" Zukunftspläne:
- ein gescheiter Job im kaufmännischen, sollte es sein, stattdessen wurde ich staatl. gepr. Kosmetikerin (nach +/-300 Bewerbungen und Absagen)
- eine Festanstellung solltest du haben, stattdessen vier Jahre Gelegenheitsjob, gefolgt von sechs Jahren Saison-Verträgen. Die Festanstellung gab es (leider) erst in einem amerikanischen Unternehmen, der wohl jedem namentlich bekannt sein dürfte. Wie ich dort gelandet bin? Meine Mutter konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ich weiter in der Produktion saisonal arbeite.
Ein Gutes hatte der, nach zwei Jahren ungeliebte, Job. "Ich wurde vom Mädchen zur Frau", um es mit den Worten einer damaligen Kollegin zu formulieren.
Dieser Job hat mir außerdem deutlich gemacht, dass ich mein EIGENES Leben leben möchte. Ursprünglich dachte ich, nachdem ich bei meiner Mutter ausgezogen gewesen bin, dass ich das ja nun täte. Aber die Depressionen die mich in diesem unliebsamen Job + die Mikroben-Zeit (die Bezeichnung leihe ich mir an dieser Stelle von Eva Hermann und Andreas Popp) haben mir verdeutlicht, dass diese "Selbstständigkeit" nichts weiter als eine Illusion gewesen ist.
Also wechselte ich meinen Fokus, ab dem Moment in dem die Politik die C-Zeit als "vorüber" bezeichneten. Schritt 1: Fokus auf mentale Gesundheit. Ich tue mir nichts Gutes, wenn ich an Selbstmord denke oder daran wie Mies die Weltpolitik mein Leben beeinflusst. Schritt 2: Raus aus dem unliebsamen Job, so schnell es geht.
Und das bin ich, Ende 2023 habe ich nicht nur meinen alten Job beendet, sondern auch den neuen Vertrag unterschrieben. Der neue Job war nicht nur neu, er war "anders". Von Mitarbeitern im 4-stelligen Bereich runter auf 2-stellig. Eine Wohltat, wenn man eine Menschen Phobie entwickelt hat. Neue Aufgaben, die noch nicht so ausgefeilt/-geklügelt sind, wie beim vorangegangenen mit zu entwickeln kann spannend werden.
Ein Verkehrsunfall zum Herbst 2024 traf mich unerwartet.